Historie

Entstehung der Firma Haase

Ludwig HaaseAls im Jahre 1907 der Kaufmann Ludwig Haase aus Hepstedt nach Sittensen kam, um ein Gemischtwarengeschäft von J. H. Kruse zu pachten, ahnte niemand, welche Bedeutung dieser Schritt einmal haben würde.

Wer sich noch an diese Zeit um die Jahrhundertwende erinnern kann, wird feststellen, dass sich seitdem sehr viel geändert hat. Im Jahre 1907 zählte Sittensen 489 und heute ca. 5.800 Einwohner. Sittensen war schon damals Mittelpunkt des wirtschaftlichen Lebens der Börde. Es kamen aber nicht nur die Einwohner der Börde zum Einkaufen nach Sittensen, sondern auch von weiter her, bis zu einem Umkreis von 15 km aus Scheeßel, Elsdorf, Steddorf, Ahlerstedt und Heidenau.

Dieser Umstand war auf die günstige Lage Sittensens an dem Kreuzpunkt der beiden Hauptverbindungsstraßen Buxtehude-Scheeßel und Tostedt-Zeven zurückzuführen. Wenn wir von günstigen Verbindungswegen sprechen,müssen wir denken, dass damals noch der ganze Warenverkehr per Pferd und Wagen über Straßen, die weitaus schlechter waren als unsere heutigen Feldwege, durchgeführt wurde. Die nächsten Bahnstationen waren Scheeßel, Lauenbrück oder Tostedt. Von hier mussten die Waren abgeholt werden. Die Bauern aus den umliegenden Dörfern kamen dann ebenfalls mit Pferd und Wagen nach Sittensen, um einzukaufen.
Stammhaus Haase in der Bahnhofstraße in SittensenVielfach geschah dies an den Sonntagen, wenn die Leute zur Kirche gingen. Erst durch den Bau der Kleinbahn Tostedt-Zeven im Jahre 1914 wurde der Transport von Gütern günstiger. Für den dann später einsetzenden Transport per Kraftfahrzeuge war der Bau der Autobahn im Jahre 1936 von ausschlaggebender Bedeutung.

Es war auch um die Jahrhundertwende, als die bäuerlichen Betriebe den Wert einer intensiveren Ausnutzung ihrer Länderein durch Anwendung der künstlichen Düngung erkannten, und so größere Erträge als bisher erzielen konnten. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Firma Ludwig Haase. Der damalige Besitzer des jetzigen Barthel´schen Besitzes, Am Markt, J. H. Kruse hatte eine neue Firma gegründet und suchte für sein bisheriges Geschäft einen Partner. Er erinnerte sich seines Lehrlings Ludwig Haase und bot ihm die Pacht an.

Rudolf HaaseSo wurde 1907 das Geschäft J. H. Kruse, Inhaber Ludwig Haase, gegründet. Der übernommene Warenbestand betrug 57.000 Goldmark. Es war für die damaligen Verhältnisse ein guter Lagerbestand. Das Geschäft umfasste den Handel mit Kolonialwaren, Textilien, Eisenwaren, Zement, Kalk und Kunstdünger. Nebenher wurde noch eine Gastwirtschaft betrieben. Die jährliche Pacht betrug 2400 Goldmark. Es gab zu dieser Zeit nur drei Geschäfte dieser Art in Sittensen. Auf den Dörfern waren es meist auch nur kleinere Höker, die ihren Warenbedarf bei den Sittensener Geschäften deckten. Die Post wurde noch per Postkutsche von Scheeßel befördert und traf abends um 21 Uhr in Sittensen ein.

Zahlungen wurden nur in bar geleistet, entweder in Silber- oder Goldmünzen. Die Goldmünzen wurden in einer besonderen Kasse aufbewahrt. Wurde Geld zur Post gegeben, wog und zählte man die Silbermünzen erst auf der Post.

Für den jungen Ludwig Haase war es damals ein günstiger Anfang, da wie schon erwähnt, durch die Kunstdüngerwirtschaft die Erträge der landwirtschaftlichen Betriebe erheblich gesteigert wurde, und somit auch der Bedarf an Lebensmitteln und Gebrauchsgütern stieg. Als der Besitzer des Geschäftes seinen Betrieb wieder selbst übernehmen wollte, wurde der Pachtvertrag zum 1. April 1919 gekündigt.

Ludwig Haase konnte damals infolge der Nachkriegswirren und der beginnenden Inflation ein Geschäft in dem gehabten Rahmen nicht wieder beginnen. Es wurde daher nur der Handel im Kleinen mit Geflügel, Wild und sonstigen ländlichen Produkten weitergeführt im Hause Bahnhofstr. 2.

Firmengelände Bahnhofstraße in SittensenNebenher war Ludwig Haase als Kommissär der Landschaftlichen Brandkasse, der Provinzial Lebensversicherungs-Anstalt sowie der Landeskreditanstalt tätig. Das Kommissariat der Landschaftlichen Brandkasse, das sich bereits etwa 1882 in Händen der Familie befand, wurde bereits 1914 vom Bruder der Katharina HaaseFrau Katharina Haase, Hermann Höyns, an Ludwig Haase übertragen. Davor wurde es vom Vater, ebenfalls Hermann Höyns, geleitet. Von 1920 bis nach der Inflation leitete Ludwig Haase auch noch die Filiale der Westholsteinischen Bank. Ferner wurde eine Schweinemästerei in größerem Umfang betrieben.

Im Jahre 1924 wurde dann der Handel mit Holz aufgenommen. Damals war der Bedarf an Hölzern, vor allem Hobelware, noch bedeutend größer als heute, wo das Holz mehr und mehr durch Kunststoffe, Eisen und Beton ersetzt wird. Wenn in früheren Jahren eine Scheune gebaut wurde, gingen Unmengen an Holz hinein. Schon allein für die äußeren Wandverkleidungen, die heute massiv erstellt werden, wurden teilweise Hunderte von Quadratmetern Hobeldielen oder Rauhspund benötigt. Weiter wurden die gesamten Balkenlagen eines Hauses aus Holz gewählt. Auch für den Fußboden kam nur Holz in Frage. Daher kam die Holzhandlung Haase gut in Gang und der Betrieb konnte von Jahr zu Jahr erweitert werden. Der Kundenkreis vergrößerte sich auch ständig. Jedoch war dies nur bis zu einem bestimmten Umkreis möglich, da die Motorisierung noch nicht soweit vorgeschritten war, dass Lastwagen eingesetzt werden konnten, sondern die Ware musste zum Kunden mit Pferd und Wagen gebracht werden.

Manchmal dauerte die Anlieferung einen ganzen Tag, von morgens vom Hellwerden bis spät in die Nacht. Es kam dabei auch oft noch vor, dass sich bei den schlechten Wegen, besonders im Winter, die Wagen festfuhren. Die Ware wurde in den ersten Jahren per Waggon von Bremer Importeuren bezogen.

Nach Geschäftsübernahme im Jahre 1936 durch Rudolf Haase wurde der Handel auch auf Eisenwaren, Baubeschläge und Glas ausgedehnt. Ferner wurde dem Betrieb auch ein Nahverkehrsunternehmen angeschlossen. Büro in der BahnhofstraßeEin Lanz-Bulldog wurde eingesetzt und brachte Kies und Sand zum Bau der damaligen Autobahn. Auch war es so möglich, die Ware von Bremen oder Hamburg selbst abzuholen und gleich zu den Kunden zu befördern, denn durch den Bau der Autobahn im Jahre 1936 bekam Sittensen eine günstige Verbindung zu den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck.

Während des 2. Weltkrieges war es schwierig, den Holzhandel aufrechtzuerhalten. Der Bulldog wurde im Jahre 1941 von der Wehrmacht beschlagnahmt.

Frau Haase sah sich daher einer schwierigen Situation gegenüber und versuchte mit dem damaligen Betriebsleiter Heinrich Sievers sich recht und redlich durchzuschlagen. Die alten Lagerbestände waren bald verkauft. Neueingänge kaum zu verzeichnen. Es blieb daher nur das Kommissariat der Landschaftlichen Brandkasse sowie der Provinzial Lebensversicherungsanstalt zu verwalten.

Wiederaufbau nach dem zweiten WeltkriegIm Jahre 1945 gelang es Frau Haase dann nach vielen langwierigen Bemühungen wieder den Nahverkehr aufzunehmen, da inzwischen auch der frühere Fahrer Fritz Lange zurückgekehrt war und Frau Haase vom englischen Gouverneur in Bremervörde ein alter Lanz-Bulldog zugewiesen wurde. Durch die nach dem Kriege beginnende Bautätigkeit war daher im Nahverkehr immer etwas zu tun, durch Anfuhr von Schutt aus Hamburg oder Sand und Kies.

Leider konnte der Handel mit Holz und Baustoffen noch nicht wieder aufgenommen werden, da die Importeure und Werke noch nicht liefern konnten. Im November 1946 wurde als weiterer Kraftfahrer Wilhelm Ratuschniak eingestellt.

 

Der Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg

Nach der Währungsreform begann der kurz zuvor aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Rudolf Haase seinen Betrieb wieder aufzubauen. Das Anfangskapital wurde durch den Einschlag von ca. 9 Morgen Wald, der Besitz seiner Mutter war, geschaffen.
Es wurde eine eigene Kreissäge angeschafft und die Stämme im eigenen Betrieb zu Kantholz und Brettern geschnitten. Die Bretter wurden dann weiter zu Hobeldielen oder Tischlerware bearbeitet. Abfall und Stangenholz wurden bei Holzspanplattenwerken gegen Holzfaserplatten getauscht.

Die damalige Schweinemästerei wurde zum Lager ausgebaut. Rudolf Haase, der damals nur mit einer Bürokraft, dem während des Krieges als Betriebsleiter tätig gewesenen Heinrich Sievers, zwei Lagerarbeitern und zwei Kraftfahrern arbeitete, musste auch noch selbst seine alten Kunden besuchen und neue Kunden werben. Neben dem Holz-, Eisenwaren- und Glashandel wurde der Handel mit Baustoffen mehr und mehr ausgebaut. Der Nahverkehr wurde bald ganz eingestellt und das Fahrzeug nur noch im eigenen Betrieb benutzt. Wiederaufbau nach dem zweiten WeltkriegDa die Waren meist selbst von den Werken geholt wurden und auch zu den Kunden gebracht werden mussten, wurde neben dem Lanz-Bulldog bald ein weiterer 3-t-Lkw Borgward eingesetzt. Der Lanz-Bulldog wurde kurze Zeit später aus dem Betrieb gezogen und dafür ein 6-t-Lkw Henschel angeschafft.

Da der Handel mit Baustoffen immer weiteren Raum einnahm, mussten die Lagermöglichkeiten ebenfalls erweitert werden. Es wurde daher im Jahre 1952 eine über 1000 m² große Lagerhalle gebaut, nachdem der alte Schweinestall und der Sägeschuppen abgebrochen wurden.
Es folgten dann der Bau von zwei Lkw-Garagen und 2 Pkw-Garagen sowie ein Jahr später der Bau eines Holzlagerschuppens. Im Jahre 1955 wurde im Anschluss an die Garagen ein Holztrockenschuppen gebaut. 1957 wurde der ältere Holzlagerschuppen abgerissen und an dessen Stelle ein 40 m langer Lagerschuppen erstellt. Die überdachten Lagerflächen wurden somit auf über 2000 m² erhöht.

Wiederaufbau nach dem zweiten WeltkriegNachdem die Lagermöglichkeiten soweit ergänzt waren, dass das Sortiment erweitert werden konnte, wurde daran gedacht, die Verwaltung und Buchhaltung, die sich in vier kleinen Räumen befand, in einem neuen Bürogebäude unterzubringen. Dies geschah im Jahre 1958, in der Größe von 20x8 m. Nach 5 Jahren jedoch stellte sich heraus, dass auch dies Gebäude zu klein war. Vor allem musste eine Ausstellung neu geschaffen werden. Das vorhandene Bürogebäude wurde daher um 5 m erweitert und aufgestockt. Im Jahre 1968 wurde ein angrenzendes Grundstück in der Größe von 2500 m² hinzugekauft. Hier wurde eine Kranbahn für den Umschlag von Formeisen und Baustahlgewebe erstellt. Ein Holztrockenschuppen in der Größe von 250 m² gebaut, sowie ein Freilager auf dem restlichen Gelände geschaffen.

Firmengelände Holz Haase Industriestraße 1970Aber bereits damals gingen die Pläne von Rudolf Haase dahin, einmal auf einem an der Zevener Straße erworbenen Gelände in der Gesamtgröße von 30 000 m² umzusiedeln. Die Pläne wurden damals zurückgestellt, da die Bautätigkeit rückläufig war und man den Athur Angerhöferentscheidenden Schritt nicht wagte. Erst als im Jahre 1969 die Möglichkeit gegeben war einen Gleisanschluss auf diesem Gelände zu bekommen, wurden die Pläne für die Übersiedlung des Betriebes gemacht. Rudolf Haase selbst war es noch möglich, kurz vor seinem Tode 1970 den Grundstein für diese Anlage zu legen. Inzwischen wurde ein weiteres Gelände von 10 000 m² hinzugekauft, damit die Firma Gelegenheit hat, falls erforderlich, sich noch weiter auszudehnen. Zunächst wurde im Jahr 1970 der Gleisanschluss erstellt und eine Lagerhalle in der Größe von 800 m² gebaut, sowie ein befestigter Lagerplatz von ca. 2500 m² geschaffen. Leider war es Rudolf Haase nicht mehr möglich, die Vollendung seines begonnenen Werkes zu erleben. Rudolf Haase verstarb am 17. Juni 1970. Das Geschäft wurde von seiner Ehefrau Katharina Haase übernommen. Die Geschäftsführung überließ sie dem seit 1949 beschäftigten Prokuristen Artur Angerhöfer.

Es war deren Ziel, das einmal begonnene Werk nicht nur zu erhalten, sondern weiter fortzuführen und auszubauen. Im Jahre 1972 wurde eine 2. Lagerhalle von ebenfalls 800 m² erstellt und im Jahr 1973 schließlich eine 3. in der gleichen Größe, sowie der Lagerplatz um weitere 2000 m² erweiteEigener Gleisanschluss in der Industriestraßert. 1976 schließlich wurde der Lagerplatz um nochmals 2000 m² erweitert und der Holztrockenschuppen von der Bahnhofstraße 2 in die Industriestraße 1 verlegt. Ebenfalls wurde im Jahre 1976 mit dem Neubau des jetzigen Büro- und Ausstellungsgebäudes begonnen.

Als vorerst letzter Teil der Verlegung wurde im Jahre 1977 das neue Büro- und Ausstellungsgebäude in der Industriestraße bezogen. Es hatte eine Grundfläche von insgesamt 1600 m² und davon alleine 1250 m² Ausstellung.

Mit der Verlegung der letzten Lagerware aus der Bahnhofstraße in eine zusätzliche erstellte Lagerhalle in der Industriestraße wurde im Jahre 1984 die komplette Umsiedlung des Betriebes abgeschlossen.

Am 1. Januar 1982 erfolgte die Übergabe der Firma Holz-Haase-Baustoffe von Frau Katharina Haase auf ihren Sohn Rudolf Haase.Ausstellungsgebäude Holz Haase 1977
Er hat nach dem Tode seines Vaters eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei einer Firma in Schleswig-Holstein angetreten, besuchte nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung und Bundeswehrzeit verschiedene Kollegenfirmen, sowie die Holzfachschule Bad Wildungen, wo er die Prüfung zum technischen Holzkaufmann mit Erfolg ablegte.
Da er den Job von der Pike auf erlernt hat, brachte er von Anfang an, die besten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Kaufmann mit und garantierte die Firma weiter aufwärts zu führen.

Einige Jahre arbeiteten Rudolf Haase und sein Prokurist Artur Angerhöfer noch zusammen an der Firmenspitze, errichteten unter anderem auch noch eine weitere Lagerhalle von ca. 2.000 m². Herr Angerhöfer wurde im Dezember 1988 mit 65 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Nach der Öffnung der Grenzen zur ehemaligen DDR im November 1989 und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1990 gab es in den Folgejahren einen wirtschaftlichen Aufschwung, von dem auch die Firma Haase profitierte. So wurde 1995 und 1996 eine weitere Lagerhalle gebaut und die Kranbahn für das Eisenlager verlegt. Außerdem wurde ein neuer Gartenmarkt mit Gartenmöbeln, Gartengeräten und Holz im Garten errichtet.

Im September 1998 wurde nach ca. einjähriger Planungs- und Bauzeit der Fachmarktbereich auf ca. 2.000 m² erweitert. Der gesamte Gebäudekomplex wurde dadurch verändert, bekam eine neue Fassade, einen anderen Eingangsbereich und neue Parkplätze.

Ein Großbrand am 31. Oktober 2001 vernichtete eine an den Fachmarkt grenzende Lagerhalle komplett sowie eine weitere Halle teilweise. Nur dem umsichtigen Eingreifen der ca. 15 freiwilligen Feuerwehren und den günstigen Witterungsverhältnissen ist es zu verdanken, dass keine weiteren Gebäude abgebrannt sind. Es entstand ein Gesamtschaden von ca. 1,9 Mio. DM, da in den Lagerhallen mehrere Gabelstapler, eine Plattensäge und wertvolles Lagermaterial verbrannt sind. 2002 wurden dann die Lagerhallen neu aufgebaut.

Da bei Firma Haase immer vieles in Bewegung ist und verändert wird, wurde 2004 eine offene Lagerhalle für Konstruktionsvollholz und eine Lagerhalle für Hobelware errichtet, sowie die Ausstellungsfläche vor dem Fachmarktgebäude neu gestaltet.

Im hohen Alter von 98 Jahren verstarb die Seniorchefin Frau Katharina Haase am 19. Dezember 2008.